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Lesarten

Wer tauscht sich nicht gern über Gelesenes aus? Besonders Gedichte werden interessanter und reicher, wenn man über sie sprechen kann: über die Erfahrungen, die man beim Lesen macht, über Assoziation und über Fragen, die Gedichte aufwerfen können. Das Lyrik Kabinett bietet ab März die Möglichkeit, online neue Lyrik und Klassiker gemeinsam zu lesen, zu diskutieren und in ihrer ganzen Bedeutungsvielfalt zu entdecken. Vier passionierte und versierte Kennerinnen und Kenner moderieren die Seminare; sie bieten ihre Lesarten an und laden zugleich dazu ein, eigene Gedanken zur Diskussion zu stellen. Gerade in dieser kontaktarmen Zeit wird die Poesie zeigen, dass sie bereichernde Gespräche und intensive Begegnungen ermöglichen kann.

Jedes Seminar umfasst drei Online-Termine (über Zoom) à 1,5 Stunden im 14-tägigen Abstand; maximal aufgenommen werden 12 Personen pro Seminar.

Poetisch denken – mit Christian Metz
Termine: 17. März, 31. März, 14. April 2021 (Mittwochabend, 20 Uhr)

„Lyrikkritik ist eine Kunst für sich, Christian Metz ist darin zu Hause“, schrieb die Kritikerin Marie Luise Knott über den Leiter unseres ersten Lesarten-Zoom-Seminars. Der Literaturkritiker (FAZ / Deutschlandfunk) und -wissenschaftler (Uni Zürich) führt ein in seine Lesarten der Gegenwartslyrik (zum Beispiel von Ursula Krechel, Karin Fellner, Ann Cotten, Steffen Popp) – als spezifische Form des poetischen Denkens, im Wechselspiel von Sinn(en) und Methode. Denn wenn man den eigenen Sinnen nicht trauen kann, hilft das Vertrauen auf Strukturen und Instrumente. Da man aber auch gegenüber diesem Misstrauen hegen sollte, bleibt nur, die eigenen Sinne zu schärfen. Oder sie zu gezielt zu verunschärfen.

Tradition als Passion. Pier Paolo Pasolinis poetisches Werk – mit Theresia Prammer
Termine: 26. März, 9. April, 23. April 2021 (Freitagnachmittag, 16 Uhr)

Die schillernde Figur des Autors, Filmemachers und leidenschaftlichen Intellektuellen Pier Paolo Pasolini fasziniert bis heute – die Rezeption seines lyrischen Werks in Deutschland aber weist bislang deutliche Lücken auf. Nun wendet sich die Romanistin, Essayistin, Übersetzerin und gefragte Kulturvermittlerin Theresia Prammer diesem Werk zu – im Vorfeld von Pasolinis 100. Geburtstag. Das von ihr geleitete Seminar beleuchtet Gedichte aus sämtlichen Werkphasen: von den ersten, sprachpolitisch bewegten Stücken über formal ambitionierte Elegien und Epigramme bis hin zu den medialen Grenzüberschreitungen der Spätphase – zwischen politischer Gedankendichtung und stilistischem Manierismus, analytischem Zeitbefund und manischer Selbstaufzeichnung.

Christine Lavant lesen: Vom Atem der Unduldsamkeit – mit Daniela Seel
Termine: 18. April, 2. Mai, 16. Mai 2021 (Sonntagvormittag, 11 Uhr)

„Das Zittern in meiner Handwurzel kommt / bestimmt nicht von deinem Anblick, / sagte ich, / aber die Erscheinung hörte trotzdem auf. / Wenn es ein Mensch gewesen wäre, / hätte ich geschrien? Hol dich der Teufel!“ Im gemeinsamen Lesen will die Dichterin und kookbooks-Verlegerin Daniela Seel mit Christine Lavant und den Kursteilnehmerinnen und -teilnehmern fragen: Muss ich mir wirklich alles selbst erklären? In den lichtlosesten Kehlkopfbrunnen hinuntersteigen, mit nichts als meinem Geschwätz, das fabulierend überfließt? Das darf doch nicht wahr sein! Indem Lavants „ich“ nicht aufhört, gegen diese unhinnehmbare Erbärmlichkeit zu streiten, mit Gott und sich gegen die Verdammnis zu zürnen, hält es sich, und uns, aufmerksam für Abgründe, in einer Art furchtlosen Furcht, einer nicht nachlassenden, notwendigen, bewundernswert unduldsamen Vergeblichkeit – und liegt darin nicht auch ein Atemholen für unsere unduldsame Zeit?

Gardaseegedichte der Renaissance – mit Tobias Roth
Termine: 27. April, 11. Mai, 25. Mai (Dienstagabend, 20 Uhr)

Der Gardasee faszinierte bereits Jahrhunderte bevor es Tourismus gab. Die Dichter Pietro Bembo (1470-1547) und Girolamo Fracastoro (ca. 1477-1553) verherrlichten den See und seine Orte, und schrieben neue Metamorphosen, um seinen Charakter zu schildern, seine Rolle im Kosmos zu feiern, seine ganz irdischen Genüsse zu benennen. Die lateinischen Verse Bembos und Fracastoros speisen sich aus dem Erlebnis der Gegenwart und dem Schatzhaus der Antike gleichermaßen. Fracastoro stilisiert sein Landhaus bei Affi zu einer Utopie der Freiheit und Bildung, Bembo erzählt die Entstehung des Gardasees als Geburtsstunde der lateinischen Dichtung überhaupt. Der Lyriker und Übersetzer Tobias Roth, der seit Jahren an der Erschließung der Renaissance für das deutsche Publikum arbeitet, führt durch die Texte. Nie war der Gardasee in neuerer Zeit weiter von München entfernt als jetzt; die Beschäftigung mit einem unendlich fernen, mythischen Gardasee verspricht Linderung.

Bitte melden Sie sich zu den Seminaren bis 8. März 2021 per Mail an unter: info (at) lyrik-kabinett.de. Bitte geben Sie Ihren vollständigen Namen und Ihre Anschrift an.

Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie sich einverstanden, dass wir Ihre Mailadresse an den/die Kursleitende/n weitergeben.

Teilnahmegebühr pro Seminar: EUR 20,- / Mitglieder des Freundeskreises der Stiftung Lyrik Kabinett: frei.

Mit der Teilnahmebestätigung erhalten Sie eine Rechnung über die Teilnahmegebühr. Nach Zahlungseingang schicken wir Ihnen die Lektüregrundlage für den jeweiligen Kurs sowie die Einwahldaten.