lust-auf-lyrik_01

Gedicht /
Reimt sich /
Lässt einen träumen /
Eintritt in andere Welten /
Apokalypse

(Marie-Kristin Taddiken, 9a)

Werner-von-Siemens-Gymnasium Neuperlach

Klasse 9a

Klassleitung: Inga Frase  
Projektleitung: Birgit Müller-Wieland und Àxel Sanjosé
Abschlussabend: 20. Mai 2015; PEPPER Theater

Staubiger Atem

Eine dicke Schicht aus Staub und Grau
legt sich nieder auf die Stadt
Nicht zart der Nebel, sondern stickig und rau
Er beißt sich in die Lungen, niemals wird er satt.

Eine Brise, die mein Haar zerzaust
Eine liebkosende Berührung
Auf einer Erde, auf der das Unheil haust
Eine erstickte Welt voller Verführung.

Schaudernd gen Himmel sehen
Wolken ... sie werden nie vergehen
Wie Geister, die deine Hand ergreifen
Rote Räuche, die vom Rest schweifen.

Gleich blutroten Fingern, die sich über die Staubschicht ziehen
Als suchten sie etwas, um sich festzuhalten
Flüchten wir aus dieser gefallenen Welt!
Um etwas Neues zu gestalten
Etwas, das das Dunkel neu erhellt.

So rennen wir und bleiben nicht stehen
Sehen nicht zurück, habens versprochen
Wenn wir nicht fliehen, was wird uns entgehen?
Wie verdorrte Rosen werden auch wir vergehen
Nicht aber der süße Hauch von Freiheit,
der die Wolken und den Nebel vertreibt
Und dem Himmel sein Blau verleiht.

Lisa Post

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Gedicht
Reimt sich
Lässt einen träumen
Eintritt in andere Welten
Apokalypse

Marie-Kristin Taddiken

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Als Variationen über „Das große Lalula“ von Chr. Morgenstern:

Das große Elend

Sind wir glücklich? Nein!
Wir sind traurig – sehr traurig:
Wieso, warum, weshalb:
aus tiefster Einsamkeit ...
E, e e Elend!

Ihr könnt’s nicht verstehen.
Warum nicht?

Betül Celik, Laurenz Schmidt, Linda Glenz

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Krokodil? Semmel!
Sei kritisch – Parfüm. Geh weg, du Hund
Wo ist Basti ... Lalu, lalu, lalu lalu la!

Keine Mikrowelle
Wo ist der Kuchen?
Ente hat’s gegessen
Klempner pfurzt hinein.
Lalu, lalu, lalu lalu la!

Stella Lindner, Svenja Kersten, Yasamin Yari

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Wenn der Wind die Stadt verweht
Und alles in alles übergeht
Erschaffen wir eine gelbe Welt
Es ist die unsere
Und der rote Sturm verweht den Asphalt
Alles steigt gen Himmel auf
Schwarzes Universum
Ich halte deine weiße Hand, kalt ist sie geworden U
nd langsam wehst auch du
Hinfort von mir.

Lisa Post

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Sonnenblume

Die schwarze Sonnenblume
steht am gelben Wegrand.
Die Sonne scheint kalt herab.
Der Sommer wird knapp.

Hai Yen Tran und Linda Glenz

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Der eckige Kreis rollt langsam die Straße runter,
von weitem sieht man schon seine langen Flügel,
Am Wegrand stehen viele Orangenbäume,
deren äpfel schimmern im schwarzen Licht.
Auf der Straße wandern kleine Vögel.
Der Kreis rollt immer weiter,
er spannt seine Flügel und fliegt davon.

Marie Bonk und Stella Lindner

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Windmühle

Der Dolch stieß durch das schwarze Herz aus dunkler Kohle und hartem Stahl.
Das Gesicht des Soldaten, erblindet von dem Gift des Hasses,
das andere gesät in ihm, erhärtet durch den Tod, gealtert von dem Krieg.

Bricht zusammen in dem Graben, geschaufelt von so vielen Wachsfiguren,
welche Schmerzen in der dunklen Sonne; unbarmherzige Strahlen finden
ihren Weg durch die Luft, so undurchsichtig durch Schüsse, verschleiert den
Blick auf den Tod.

Tropft das Blut aus der klaffenden Wunde, während der Dolch im Schatten
verschwindet, herbeigetragen nur durch Sagen, niemals hatte feste Gestalt,
der Blinde konnte keine Antwort sagen, da die Zunge schwer vom Blei.

Im See aus Tod und Hunger drehen sich langsam die Schatten einer
Windmühle, werden stärker mit jeder Böe, sodass sie bald schon jagen, ihrem
eigenen Ende hinan. Denn die Räder laufen nicht, wie eine geölte Maschine,
sie quietscht und qualmt, während die Wahrheit getarnt wird mit dem
Lügengestrüpp, welches gewässert wird mit den fremden Träumen.

Das schwarze Zahnrad begann so unauffällig als eine stille Mühle, doch dreht
es nun auf blutverschmiertem Hintergrund die gepanzerten Monster immer
weiter voran, wie Hornissen stechen sie ins unschuldige Fleisch und legen ihre
Eier in die Nieren der Verdorbenheit.

Sickert Blut in Hass, Unschuld, verbunden und getrennt,
verklebt das Werkzeug und lässt es verstummen.

Katharina Nagel

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Zu Antonio Machado, „Caminante, son tus huellas… “ – kreative Anverwandlungen

Oh Wanderer, sieh deine Spuren
die du auf dem Weg zum Meer hinterlässt;
Wanderer, es gibt keinen Weg
den du gehen kannst.
Keine Möglichkeit, keinen Weg zu gehen,
denn du musst erst Halt zum Gehen finden,
damit du durch das Leben schreiten kannst.
Oh Wanderer, hast du schon mal darüber nachgedacht,
dass es gar keinen Weg zum Meer gibt, dem du folgen kannst?

Katharina Nagel

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Wanderer,
Unter dir der Weg,
den du gehst,
Vor dir eine leere Ebene,
die du gehen wirst,
Hinter dir verblassende Spuren,
der Weg verschwindet,
eine leere Ebene bleibt,
als wärest du nicht dort entlang gegangen.
Vielleicht kommt bald der Nächste,
folgt deinem Weg, ohne dass er davon weiß.
Vielleicht folgst du Spuren eines anderen.
Doch du bestimmst deinen eigenen Weg, es gibt kein Richtig, es gibt kein Falsch,
alles ist eine große leere Ebene, du gehst allein.
Viel Glück.

Svenja Kersten