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Lust auf Lyrik: Poesie der Zukunft

Projektleitung: Karin Fellner & Daniel Bayerstorfer
Klassleitung: Monika Stadler-Huber

„Was machen Roboter in Sonetten?“ Ausgehend von dieser Frage haben Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 (1d5) des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums erkundet, wie sich Zukunft mit poetischen Mitteln neu und anders denken lässt: persönlich, gesellschaftlich, planetarisch. Sie haben mit Fachsprachen experimentiert, Outdoor-Poems und Science-Fiction-Listengedichte verfasst. Die Dichterin Karin Fellner und der Dichter Daniel Bayerstorfer haben sie auf diesen Streifzügen oder Raumflügen begleitet. In der Abschlusspräsentation haben die jungen Dichterinnen und Dichter ihre Funde und mitgebrachten Gesteinsproben, Meteoriten und Bodenschätze vor dem Publikum ausgebreitet – und die Leserinnen und Leser sind nun zum Mitstaunen eingeladen!

 

Collage_klein

Intro mit intergalaktischer Speisekarte:

Appetizer – aktueller Flyer!

Liebe Menschen und Lebewesen aus Bubbleland!
Mein neu eröffnetes LUU-Restaurant mit exotischen Zitterschwamm-Gerichten
befindet sich in Bezirk 05 in der Bubble 10.
Eine fantastische Speisekarte erwartet Sie, zum Beispiel:

Kilometerlange Spaghetti aus der eigenen Küche,
die Sie an jede Steckdose anschließen können
und die somit Ewigkeiten warm bleiben!
Dazu empfehle ich mein rosa Gelee aus Dreiecks-Stein-Tomaten, ein Hochgenuss!
Als Dessert ein absolutes Muss
sind die getigerten grauen Apfelschleimbeutel
mit Bubble-Zitter-Füllung!

Da wir alle so weit entfernt in verschiedenen Bubbles wohnen,
können Sie meinen unterirdischen Lieferservice nutzen:
In weniger als 5 Minuten erhalten Sie Ihre Bestellung
von unseren superflinken Hasen-Service-Robotern.
Gezahlt wird wie immer in Lebensminuten.

Ich hoffe, man sieht sich bald!
Ihr Chefkoch Appetizer

Patrizia

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MF

Hier in MF ist unser Fokus auf eine besserer Qualität und Konsistenz
sowie auf die Innovation unseres Essens ausgerichtet.
Sie haben noch nie einen so perfekt programmierten Apfel gekostet,
der den besten „Knack“ gibt und den intensivsten Geschmack hat.
Unsere geklonten Karotten können Ihre Augen wirklich verbessern!
Und unsere Mega-Auberginen können Ihnen wirklich einen ...
– ich überlasse das Ihrer Interpretation!

Die Fleischalternativen für unsere Burger schmecken besser
als echte tote Tiere – und sie beinhalten wesentlich mehr Proteine!
Unsere Wissenschaftler oder „Köche“, wie wir sie nennen,
haben ihre eigenen Züchtungsgärten und Labore,
in denen sie ihre Magie wirken lassen.
Und wenn Sie wissen wollen, was dort genau vor sich geht,
dann können Sie sich unsere interstellare Internetseite iww.modded-food.all anschauen,
auf der alles Notwendige drinsteht!

Janosh

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NEWS NEWS: Freshes Fleischhaus eröffnet am 3. Juli 2072!

Endlich können wir den Geschmack des Essens vor dem Super-GAU wieder nachvollziehen!
Es ist uns gelungen, das Fleisch der Ur-Kuh, der EINEN überlebenden Kuh,
in unseren Fleischkellern in modernsten Replikationskanistern zu züchten.
Unser Founder Peter Geld rettete vor 30 Jahren die einzige Kuh, die heute noch lebt:
Als der Super-GAU eintrat, nahm er ein Kalb, das er gefunden hatte, mit in den Bunker.
Darauf gründete er mit einem Wissenschaftsteam die Fleisch-Company.
Und jetzt, im Jahr 2072, eröffnet sein erstes Restaurant: das FRESHE FLEISCHHAUS!
Von galaktischem Gulasch über Zick-Zack-Zunge
bis zum Hyper-Hüftsteak gibt es bei uns wieder alles,
was die vorapokalyptische Zeit an Tiergenüssen zu bieten hatte.
Kommen Sie vorbei!

Tonino

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O-BOT:
O-Bot: Die Auferstehung
Alles, was ich spüre, sind Nummern, 0 1, 1 0, 0 1.
Und kaltes Metall, das an mir montiert wird.
Durch mein Mikrofon höre ich komplexe Wörter:
Ef-fi-zienz. Al-go-rith-mus, Fle-xi-bi-li -tät.
Noch verstehe ich nichts, doch ich hoffe, es zu erlernen.
Schmetterlings- und Körperkamera: Plötzlich
kann ich alles sehen: Das helle Licht und
die Robotertiere, die an mir rumbasteln.
Durch einen Knopfdruck spüre ich meine silbernen Beine
und den Strom, der durch meine Roboterzellen fließt.

Benjamin

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Programmierbar, effizient, zahm, anpassungsfähig, flexibel!
man könnte fast meinen: Der perfekte Lover!
Doch es ist und bleibt nur ...

Eine Maschine. Eine Festplatte, ein bisschen Metall,
ein paar Schrauben, ein Mikrofon, eine Körperkamera und ein Kühlungssystem.
Mehr war ich nie für sie. Effizient und zahm hat sie mich genannt.
Und sie hat recht!

Seit dem Tag meiner Herstellung versuche ich, ihre Zuneigung zu gewinnen.
Doch mit jedem Erfolg und Gefallen, den ich ihr tue,
wächst lediglich ihre Zuneigung zu sich selber.
Und ich kann es ihr nicht einmal übelnehmen.
Denn sie ist perfekt.
Doch die Distanz zwischen uns wächst jeden Tag.
Und jetzt halte ich ihre Nähe nicht mehr aus.

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Liv (& Lara)

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Schallgeschwindigkeit

Endlos lange Schlangen,
pinke Hosen, Hüte, bunte Federn
vor mir, hinter dir
Tasche auf, Ticket raus
Endlich, endlich
Frohe Stimmen, lautes lachen und Musik.
Laola-Wellen, Hände klatschen
volle Stühle, leere Bühne
Jubel, Trubel, Heiterkeit
Singen, tanzen, hoffen
Hoffen, nicht allein zu sein
so zu sein wie keiner sonst
von 1000, die genauso hoffen
Hoffen, ganz sie selbst zu sein
und dabei einzig, aber allein
denn einsam ist zu viel
und so sind alle anders als sie
wären, wenn sie nicht so sein wollten,
wie die anderen sie mögen.
Aber hier sind alle ähnlich anders,
warten auf den Grund, warum
sie hier sind. Und er kommt und
alle lieben, leben, lügen.

Lucía

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1.

Eine Ära, in der ich mich nur noch selbst jag!
Die nächste Hölle, vor deren Einlass ich auf dich traf.
Eine Welt, in der ich mich für dich ins Feuer warf.
ich kanns nicht mal bereuen,
denn absehbar wars
und ich kanns mir nicht erklären,
doch fiel dein Name, schien der Preis mir immer
wieder bezahlbar.
(Wenn ich verlier, stirbst du, wie gesagt, mit mir?)
Ich renn mit dir,
doch schaute ich mal weg,
wärst du vor der ersten Chance nicht mehr hier.
Und bleib ich noch länger (hier)
seh ich mir nur mit an,
wie ich mich selbst exponentiell von mir
isolier.
Kämpfen hat keinen Sinn,
wenn die einzige Errungenschaft ist,
dass ich mich selbst mit jedem Mal
ein bisschen mehr verlier.

Shaihan Saleh

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Ich hörte, dein iphone brennt, und ich glaube, du warst es selbst!
Ich glaube, du hast es angezündet – endlich!
Und während das Feuer all die Kabel, den Akku, das Display
und die SIM-Karte langsam, aber sicher verbrennt,
verbrennt es mit ihnen auch all die Fotos, Videos, Nachrichten
und Erinnerungen.

Ich hörte, dein iphone brennt, aber eigentlich brennt es schon seit Jahren:
brennt morgens, wenn dein Wecker klingelt, neben dem Bett,
brennt mittags, wenn du mit dem Mittagessen in der Hand dasitzt,
brennt abends, wenn du telefonierst an deinem Ohr
und brennt nachts – wenn du im Bett liegst – noch in deinen Augen.
Es brennt sich seit Jahren in deinen Alltag hinein.
Und jetzt fühlst du dich frei.

Ich hörte, dein iphone brennt, und ich glaube, du warst es selbst.
Ich glaube, du hast es angezündet – endlich!

Lara

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Der Wald

Ich bin müde.
Mich juckt die Haut.
Meine Wurzeln tun weh, ich will mich hinsetzen.
Meine Eingeweide jucken von den Borkenkäfern.
Meine Schnitte schmerzen, weil ein dummes Paar sich verewigen wollte.
Meine Lunge brennt von den ganzen Abgasen.
Mein Magen dreht sich um, weil ich aus Versehen Gift aus der Fabrik trinke.
Ich lasse abgebrochene Äste vom Sturm gestern fallen.
Ich spüre Hitze.
Mein Körper brennt – ein Waldbrand!
Ich verstumme.

Rocco

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Grün raubt der alten Farbe den Glanz.
Leise flüstert die glückliche kleine Patientin ihre
Gebete, während sie heimlich, gelbe Pinselstriche
ziehend, ihrem Vorgesetzten einen süßen Hund
zeigt. Dieser Hund ist glücklicherweise blau
gestreift, weshalb die Patientin sich keine Sorgen
um die Krankheiten der anderen Tiere
machen muss. Die verheerende Lage zerstört im
ganzen Jahr fast 80 Farben. Endlich regnet es,
wodurch alle Tiere abgewaschen werden. Ab
2063 sollen Farben nicht mehr leuchten und
stattdessen schwarz anlaufen. Die Problematik
lässt viele Patienten aufgeregt einkaufen. Gott
beschwört seither Lösungen, beispielsweise
Seuchen, die massenweise Hexen-Hunde
entstehen lassen.

Lucía & Célestine

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Auf Proxima Centauri ...
Auf Proxima Centauri B werden bald Menschen leben, doch
auf Proxima Centauri B leben durchaus andere Lebewesen.
Auf Proxima Centauri B werden Roboter unsere Zivilisation
aufbauen und es gibt dort alles, was man zum Leben braucht.
Der Alltag sieht da ganz anders aus und niemand wird das
Leben auf der Erde vermissen.
Auf Proxima Centauri B ist die Medizin dermaßen fortgeschritten,
dass die Menschen hundert Jahre werden.
Und jeder kann dort in Luxus leben, denn es gibt dort alle
Ressourcen en masse.
Auf Proxima Centauri B lebt jeder so entspannt, dass man sich
für die Zukunft nicht interessiert.
Aber jetzt werden die Ressourcen langsam knapp. Und das
Leben wird immer unerträglicher.
Auf Proxima Centauri B lebt bald kein Mensch mehr.
Auf Proxima Centauri C sieht das Leben so viel schöner
aus. Noch.

Roman

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Auf Planet Donut regnet es Donuts.
Auf Planet Donut besteht das gesamte Gebirge aus Donuts.
Das Wasser wurde durch Zuckerguss ersetzt.
Und auf Planet Donut gibt es nur ein übergewichtiges Wesen.
Es gibt dort weder Städte noch Dörfer, nur Donuts.
Planet Donut hat nicht die Form einer Kugel, sondern die
Form eines Donuts.
Auf Planet Donut ist alles friedlich.
Es existieren Wasserfälle aus Schoko und überall liegen
bunte Streusel auf dem Boden.
Auf Planet Donut finden viele Esswettkämpfe statt.
Der Präsident heißt Homer Simpson auf Planet Donut.
Auf Planet Donut gibt es ausschließlich Läden, die
Donuts verkaufen.
Auf Planet Donut wird eigentlich nur gegessen.

Arda

*******

Es wird keine Sinne geben, nur Betäubung.
Sauber gezogene Beschränkungen, die nur vorwärts zeigen.

Freiheit, mit ihrer harten Suchtstruktur und den
hunde-ohrigen Bauchgefühlen wird ersetzt sein durch Verstummen.

Genau wie die Empathie Platz macht für
Mengen um Mengen aus Apathie.

Synapsen werden noch Synapsen sein, aber
ihr Inhalt leer. Euphorie,

die jedes Vergessen überlebt, wird nur den
Kopf befriedigen, der ist, wo er existieren wird.

Für Unbeschwertheit werden wir alleine tanzen
vor mit goldenen Tränen beschlagenen Gesichtern.

Die Denker unter uns werden diese Sinnlichkeit erkennen,
aber das Wort Erinnerung wird neu vergeben sein
an das Vergessen, das sich in Gehirnen und Gefühlen
findet.

Und ja, wir werden älter werden, dank eines
Voranschreitens im Raum. Gewichtslos aus der Zeit.

Körperweit von sogar unserem eigenen Geist
entfernt, werden wir im Gedanken des Unbewussten
treiben, das

ein für alle Mal erforschbar sein wird und sicher.

Fiona

*****

Sollten Schwarze Löcher leuchten, die heilige Raumkrümmung
Gefangen im Dschungel aus ungewohntem Glühen,
Wollt verkümmern, und jedes Raumschiff der Physik
Schaut zweimal, bevor es in Materie fiele.
Die Energie ihrer eigenen Masse
Ist fleischgeformt, doch die falsche Gravitation mag kommen,
Und aus ihrer Trägheit fallen verblichene Formeln.
Die Sternnebel enthüllen eine uralte Milchstraße.

Man lehrte mich, dem Licht nach zu folgern,
Doch Licht wie Atom lenkt hilflos.
Man lehrte mich, den Weltraum entlang zu denken,
Und wenn er beschleunigt, die Hornhaut der Armaturen zu ändern.
Bis Kabel und Gewebe in Weltraum und Hydraulik liegen.
So schnell beweg ich den trotzigen Schraubschlüssel,
Den stillen Hyperantrieb, dessen Orchidee da wackelt
Im ägyptischen Winterschlaf.

Den Komet, den ich warf, als ich spielte in der Schwerelosigkeit
Hat den Planeten noch nicht berührt.

Mya

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Heute - morgen ...
Wecker klingelt, Aufstehen. Fertigmachen, Schule.
Ich denke an die Fächer und Prüfungen, die ich heute habe.
Die Hausaufgaben, die ich heute gehabt habe, aber v.a.
denke ich an mein Bett. Ich denke an unser Haus, an mein Zimmer,
an mein Bett.

Bei Architektur muss ich zuerst an schöne Städte denken.
Wien, Paris, Budapest, Rom.
ich denke an schöne Reisen.
Deutschland, Frankreich, Ungarn, Italien.
Ich denke an die Römer, die Ägypter, die Griechen,
Paläste, Pyramiden und Tempel.
Ich denke an die Weltgeschichte. An die Geschichte dieser
Völker.

In der Zukunft geht diese Welt kaputt.
Ich denke an Waldbrände, Überschwemmungen, Hitze,
Hungersnot. Auch hier werden die Menschen eine neue
“Lösung” haben. Sie werden neue Welten erfinden,
bessere, schönere.
                                           Ich denke an Menschen, die nicht
mehr in dieser Welt leben werden, nur noch auf ihr.

Célestine

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Bald

Das passiert, wenn man nicht genug geschlafen hat.
Mann will wieder nach Hause und schlafen.
Das kann man dann aber nicht machen.
Erst wenn ferien sind, kann man ausschlafen.

Ist wichtig für unsere Gesellschaft. So ein Stadtbild.
Es gibt architektonische Meisterwerke wie den
Burj Khalifa oder die Pyramiden.
Solche Bauwerke sind schön für den Betrachter.
Architektur ist überall.

2030 wird die WM stattfinden. Vielleicht wieder
in so einem Land wie jetzt Katar. Tausende Arbeiter
sterben, um in der Wüste ein Stadion zu bauen.
Danach wird es nicht mehr benutzt.

Damir

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Die ferne Müdigkeit

Das Gefühl der Müdigkeit durchzieht unser ganzes Leben.
Es ist da, um uns zu zeigen, wann unsere Kräfte aufgebraucht
sind und wir also begrenzt.

Unser Körper ist Architektur. Wir bestehen wie ein Haus
aus Beton. Sind ein Konstrukt aus Zellen. Die Baupläne
wurden von einem Architekten gestellt.

Wie sieht die Welt 2030 aus? Schaffen wir, unseren
Planeten vor dem Klimawandel zu retten? 2030 ist
zu entfernt, um daran zu denken, jedoch zu nah, um
es wegzudenken.

Jona

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Trilogie

Müdigkeit, das zähe Gift, durchrauscht den Körper,
lähmt Geist und kraft in langen Gefechten, die
man nur verlieren kann und so ist aller Anfang
Ende.

Architektur bedeutet Häuser schaffen, meist
hässlich, man baut Betonklotz an Betonklotz
und verschließt die letzten Freiräume in Städten.
Und ob mans glaubt oder nicht: Architektur
könnte auch Kunst sein.

2030. Das Jahr der Möglichkeiten. Aber nur
ein gewöhnliches 2030. In 8 Jahren könnte die
Welt eine bessere sein. Befreit von Hunger
und Armut und friedlich. Oder wir verbleiben
mit Krieg, Hass und Egoismus. Es liegt an uns.

Adrian
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Druck rausnehmen

Sweet boi – die nach vier Tagen schon wieder gewohnte Melodie von meinem Weckerlied, die ich von Zeit zu Zeit ändere. Einer von zahlreichen Tricks, um aus dem Bett zu kommen. Und schon fängt es an: Was steht heute an? Schule – Klavier – Therapie – Treffen mit einer Freundin. Aber nicht zu vergessen, die Kleinigkeiten zwischendrin! Die schon längst überfällige Suche nach einem Geschenk für eine Freundin. Die Bestellung, die ich längst machen wollte. Dieses eine eigentlich zu teure Shampoo. Warte – soll ich meine Haare heute oder morgen waschen? Wie passt es am besten mit meinem Wochenendplänen zusammen? Stopp! Erstmal aufstehen.

Anna-Luna

1, 2, 3 Kartoffelbrei. Um Druck rauszunehmen, entspanne ich gerne in der Badewanne und esse Kartoffelbrei. Man sollte sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren, um Druck rauszunehmen rauszunehmen rauszunehmen. Ich genieße gerne die Natur, um Druck rauszunehmen. Das Zwitschern der Vögel hilft dabei. Ich würde allen Menschen empfehlen, sich in eine Badewanne zu setzen und eine ungesunde Menge an Kartoffelbrei zu essen. Eines Tages möchte ich auch einmal in Kartoffelbrei baden baden baden baden. Ich würde mich danach mit einem schönen Handtuch abtrocknen.

Leopold

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Jetzt ist morgen

Heute ist jetzt und ich warte, bis es morgen ist.
Dann ist morgen jetzt.
Meine Mutter trällert mir das altbekannte Lied.
Ich soll jetzt mal machen.
Jetzt? Aber wenn ich auf morgen warte, ist nicht
heute jetzt, sondern morgen.
Ich mache es jetzt, also morgen.
Es ist jetzt einfach zu unangenehm, nein es ist
morgen unangenehm. Ich machs morgen.
Was macht das schon? Heute ist jetzt und wenn
ich warte, ist auch morgen jetzt. Jetzt, heute
und morgen. Jetzt, also etwas später am
Tag steht sie schon wieder in der Tür.
“Ich hab vorhin gesagt jetzt!”
Aber jetzt ist jetzt oder nicht?
Jetzt ist morgen.

Lucy

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NEXT und (Re:)GENERATION
Immer öfter in meiner täglichen Routine entdecke ich ihn,
den gegenseitigen Hass der älteren Generation und der eigenen.

Die ältere Generation hasst die Aufgeschlossenheit,
die Bereitschaft zur Weiterentwicklung und am meisten
die Klima-Aktivisten und Feministen.
Die ältere Generation würde lieber traditionell bleiben.

Die jüngere Generation hasst die vorgespielte intellektuelle Überlegenheit,
die Uneinsichtigkeit, den Alltagsrassismus, die Homophobie und
am meisten die alten Politiker, die all diese genannten „Werte“ in sich vereinen.
Die jüngere Generation würde lieber mit der Tradition brechen.

Durch diesen Kontrast entsteht der Hass im Alltag zwischen Jung und Alt.
Die Jungen stehen als dumm und ahnungslos
und die Alten als arrogant und uneinsichtig da.

Henri

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Generationenwandel

Generationenwandel, neue Moral, neue Ansichten.
Doch sind sie wirklich besser?
Aktionen erst nach Eintreten des Notfalls.
Waffen haben mehr Rechte als Frauen.
Fußballfelder-große Wälder abgeholzt und vernichtet.
Taten sprechen lauter als Worte.
Werden WIR es besser machen?

Immer öfter auf meiner alltäglichen Routine
entdecke ich sie, die Mutanten.
Polizeidrohnen jagen sie in Torpedo-Autos,
Mückenkameras helfen bei der Suche.
Raketenzeppeline fliegen im Himmel
neben Familienflugzeugen umher.

Mit Traumkappen ist Schlaf nicht mehr nötig.
Die Zeitpolizei überwacht die Traumdauer.
Wunschtraumerzeuger sind dauerbeschäftigt,
erwünscht ist die „alte Welt“.
War die alte Welt besser?
Der Wunsch nach „vergangenen Zeiten“ ist galaktisch verbreitet!

Moritz

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Ihr & Wir

Wir sind wie Ihr. Ihr seid wie Wir.
Und trotzdem seid Ihr Ihr.
Und Wir sind Wir.

Ihr habt den Versuch, die Welt zu retten, schon längst hinter euch gelassen.
Ihr habt Wichtigeres zu tun, sagt ihr.
Ihr habt ja schließlich auch uns.

Wir starten unsere ersten Versuche,
das Patriarchat, den Klimawandel, den Kapitalismus –
und vielleicht auch ein kleines bisschen Euch – zu boykottieren.

Einerseits stehen wir auf derselben Seite.
Andererseits habt Ihr schon aufgegeben.
Und wir stehen – mit der gleichen neuen Hoffnung in den Augen wie Ihr damals – da.
Alleine da.

Ich habe Angst vor dem Verlust unserer Hoffnung.
Wir dürfen unsere Hoffnung nicht an DIE (an Euch?) verlieren!
Ich hoffe, dass irgendwann alle –
Ihr, Wir und all die anderen –
die gleiche Hoffnung haben. Genug Hoffnung haben.

Aber vielleicht werden wir auch einfach zu Euch.
Und die Hoffnung geht über an das nächste Wir.

Liv

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CODA
Die Töne klingen

Die Töne klingen
Die Noten singen
Der Klang der Welt
Er wächst und fällt

Die Musik der Vögel
Schallt in der Höhe
Der Lärm der Welt
Er wächst und fällt

Das Dröhnen der Straßen
Das Stehen in Gassen
Die Musik der Welt
Sie fällt nie wieder
Und wächst durch all
Die neuen Lieder

Clara


“Love Letter from Robot for Human” (Gemeinschaftstext)

Jedes Deiner Worte ist wie eine hoch installierte Soundbar mit mehrphasigen Funktionen.

Deine Augen glänzen wie Bohrmaschinen, die Wände durchbrechen.

Du bist für mich so wichtig wie mein Belüftungssystem.

Der Klang Deiner Stimme ist wie der süßsaure Akkubohrer, der einen Winterschlaf hält.

Ein Leuchten geht von Dir aus wie von einem Smartphone um 1 Uhr in der Nacht.

Wenn ich dich berühre, erinnert mich das an eine Konsole.

Müsste ich Dich verlassen, dann wäre mir zumute wie einer Frittenbude, wenn das Frittieröl ausgeht.

Dich zu lieben ist wie jeden Tag einen minzigen und gesunden E-Smoothie zu trinken, der meine Konsole in die Höhe sprengt.

Jedes Deiner Worte ist wie ein Kaffee nach einer viel zu kurzen Nacht.

Deine Augen glänzen wie der neueste Fashion-Trend, der nie vorübergehen darf.

Du bist für mich so wichtig wie die Magensäure, die die Bolognese in tausend kleine Stücke zerteilt.

Der Klang Deiner Stimme ist wie der Weckruf eines Hahns um 4 Uhr morgens.

Ein Leuchten geht von Dir aus wie von einem Leuchtturm, der mir den Weg weist.

Wenn ich dich berühre, erinnert mich das an den ersten Bissen auf Zimtkaugummis, wenn das Zimtaroma aus der festen Hülle befreit wird und eine kleine Geschmacksexplosion auf der Zunge ausgelöst wird.

Müsste ich Dich verlassen, dann wäre mir zumute wie Lakritze, die den Trockner hinabfließt.

Dich zu lieben ist wie sich in einem schützenden Kokon zu befinden. Du bist mein Desinfektionsmittel in der Pandemie.
Gruppenfoto_Lust_auf_Lyrik_-_KKG_2022__c__Monika_Stadler-Huber Im Namen des Lyrik Kabinetts: Danke an alle! Vor allem an Frau Monika Stadler-Huber, dann an unsere Projektleitenden und vor allem an die jungen Dichterinnen und Dichter der Klasse 1(d)5 des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums!