freunde_spenden-und-stiften_03

Auf meinem Kopf ein Thron für Sultane die Aufenthaltserlaubnis nur für Menschen, die mir viel wert sind
koyu gecende yardım için

(Oswald Egger, Zeynep, Hatice, Ali, Okhan)

„Weil ich eins und doppelt bin“

Türkisch-deutsche Lyrik- und Übersetzungswerkstatt
Werner-von-Siemens-Gymnasium Neuperlach
Sammelkurs Türkisch Q11 der städtischen Gymnasien

Kurssleitung: Dr. Suzan Kozak
Projektleitung: Daniel Bayerstorfer

Wir applaudieren den jungen Dichterinnen und Dichtern für ihre Gedichte – und präsentieren hier eine Auswahl. Frau Dr. Kozak danken wir für ihren so tatkräftig unterstützenden Einsatz!

Daniel Bayerstorfer an die Kursteilnehmer*innen:
O mach mir eine Maske
, forderte der walisische Dichter Dylan Thomas. Eine Art poetische Immunisierung gegen die Außenwelt. Und weil wir schon alle Masken tragen, im Bus und im Klassenzimmer, haben wir sie zumindest in unseren Texten abgenommen. Haben in unseren Metaphern den Sicherheitsabstand mal nicht eingehalten und haben viele Wörter und gleich zwei Sprachen eng zusammengerückt, über Dialekte in jetzt unzugänglichen Regionen gesprochen und etwas Metrik in unsere verschobenen Rhythmen gebracht. Jeder und jede hatte einen vorgeschriebenen Platz im Raum, aber in den Gedichten blieb nichts an Ort und Stelle. Die Fenster waren offen, neben der Tafel und zwischen den Zeilen.

Cento von Daniel Bayerstorfer aus den Gedichten der Teilnehmer*innen:

                       In mir habe ich einen Stein
                       Es fängt an zu nieseln, und
                       die Fledermaus gibt Schnee.

Eine U-Bahn, in der geflutete
Reisepässe nachts leuchten.
Doch das Fenster ist jetzt zu.

Wie das C von der Energietabelle.
         Aus Essig kam eine Stimme:
                      Gelb bin ich, lebendig und fröhlich.

In den Herzen der jungen Knospen
sehe ich schattenhafte Gestalten,
Dardanellen in denen ich schlief.
Sie bröckeln bei Mitternacht durch die Luft.

[[Cento: ein Gedicht, das aus Versen der Kursteilnehmenden zusammengestellt ist.]]

*****

Alperen


Elegie für den Klang

Müd ist mein Planet, müd müd
wie eine Autobahnbrücke. Verwunschene Dardanellen
aus Oliven sind mein Tee.
Träume, in denen ich schlief -

gelbe Kolibris, eine verrätstelte Kuppel
alles ist außer mir, eine U-Bahn,
in der geflutete Reisepässe nachts leuchten.

Die Fledermaus gibt Honig
der Ölkanister gibt Marmor
in den Turnschuhen rüsten die Tulpen kühn
gegen den Beton -

ringsum die Schule
                   reibt sich an meinem Bussard
der Schnee an meiner Hornisse, unmerklich zieht ihn
ein ferner Brombeerstrauch. 

*****

Amine

[Phantasie-Übersetzung aus dem Dänischen]

Sie steigen hoch, des Planeten Sommerstimmung.
Zusammen ernten wir in Jordanien warme Köpfe.
Zinnober, Oker, Gold und Phosphor. Ein Schwarm
auf Kemsiks Grundstoff lüftet hoch. Er sagte aus
Essig kam eine Stimme. Bist du auf Luftpartikel und
auf Bildern? Er sagte mir aus dem Hofe dröhne die
Sommerzeit. Sprinten wir zusammen zur Volksausrufung.
Nein der erlösende Engel, kam mit einem Male und
sortierte mit Apollo Blumen, zusammen lachten sie
und machten Party in der Halle. Jetzt sehe ich
meine vernünftige Medizin. Dir schreibe ich warme
Grüße in Barcelonas Mittagsluft.

*****

Aycag

Prosafarbengedicht

Kräftig und machtvoll schmück ich die
Gewänder der Adligen, die sich gerade xxx
Liebevoll und kindlich zeige ich mich auf
der Jacke eines kleinen Jungen, der gerade im
Sandkasten weinend seine Mutter ruft, da
nasser Sand an seinen
Miniaturhänden klebt. Blumen, die ein junger
Herr für seine Geliebte holt, werden dank mir
zur Geltung gebracht. Ich sehe
das Lächeln der Geliebten des jungen Mannes.
Sie strahlt. Sie lächelt. Sie drückt mich an
ihre Brust. Dank mir ist sie erfreut und be-
kommt das Gefühl der Liebe zu spüren.
Ohne mich wär das nicht möglich. Alles
wäre düster, gemein und kalt. Sie würde nicht
lächeln. Oh nein, das würde sie nicht.
Sie würde keine roten Rosen bekommen.
Sie bekäme weiße,
langweilige Rosen. Ja genau, langweilige, farblose
Rosen. Gott sei Dank gibt es mich,
was würden die Menschen ohne mich tun? Das frage
ich mich Tage, gar Nächte lang.

*****

Aylin

Elegie für einen Bussard I

Müd ist mein Klang, müd müd
wie ein Planet. Eine verwunschene Autobahn
aus Beton ist mein Marmor
Dardanellen, in denen ich schlief -

gelber Honig, ein verrätselter Brombeerstrauch
alles ist außer mir, ein Kolibri,
in dem geflutete Kuppeln nachts leuchten.

Die Tulpe gibt Träume
Die Hornisse gibt Tee
in den Schulen rüsten die Turnschuhe kühn
gegen die U-Bahn.

ringsum, die Hornissen
                 reiben sich an meinen Nüstern der Ölkanister
an meiner Olive, unmerklich zieht ihn
eine ferne Fledermaus.

*****

Berat


İçimde taş var!                        (Ich hab in mir einen Stein!)
Die Träume sind wunderbar!
Hayal et!                                 (Träume!)
Die neue Nachbarin ist nett.
Yüzüme güler,                         (Sie lächelt mir ins Gesicht,)
und das Leid wurde akzeptabler … 

*****

Ece

Elegie für einen Bussard II

Müd ist mein Planet, müd müd
wie ein Reisepass. Eine verwunschene Kuppel
aus Beton ist meine Olive
Felder, in denen ich schlief -

gelbe Schulen, ein verrätselter Traum
alles ist außer mir, eine U-Bahn,
in der geflutete Kolibris nachts leuchten.

Die Fledermaus gibt Schnee
die Tulpe gibt Honig
in den Brombeersträuchern rüsten die Dardanellen kühn 
gegen die Hornissen -

ringsum die Autobahnbrücke
                           reibt sich an meinen Turnschuhen
der Tee
in meinem Ölkanister, unmerklich zieht ihn
ein ferner Marmor.

*****

Şeyma


Aklımdan Çıkmayanım

Dün rüyamda gördüm seni
Çok güzeldin tıpkı bahçemdeki gül gibi
Aradan yıllar geçse de
Unutamamışım seni belli ki
Keşke vedalaşmasaydın benden
Ayrılmak istememiştim ben senden
Ruhumdaki açtığın o yaraya rağmen
bil ki affettim ben seni

Derjenige, der nicht aus meinem Kopf geht

Ich habe dich gestern in meinem Traum gesehen
Du warst so schön wie die Rose in meinem Garten
Obwohl so viele Jahre vergangen sind
Konnte ich dich anscheinend nicht vergessen
Hättest du dich doch nicht von mir verabschiedet
Ich wollte mich nicht von dir trennen
Trotz der Wunde den du in meiner Seele verursacht hast
Solltest du wissen, dass ich dir verziehen habe

*****

Sila

Farbgedicht

Gelb Ich bin lebendig und fröhlich
Und scheine wie die Sonne hell und klar
Das Wort "dunkel" ist nicht in meinem Vokabular
Das ist sehr wahr Ohne mich wäre die Welt düster
und traurig Deshalb bin ich als einzige übrig
Die Welt zum Strahlen zu bringen 

Anmerkung: Die „Elegie“ überschriebenen Gedichte stammen aus einer Kreativ-Übung, die mit dem Gedicht „Elegie für K.“ des zeitgenössischen Dichters Steffen Popp arbeitet.