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Langsamer träumen! denke ich und sehe /
mich nach Deckung um

(Harald Hartung)

Zur Eröffnung

Martin Mosebach

Ein Haus für Gedichte

Was Gedichte heute sein können, warum sie überhaupt entstehen und wie sie zu ihren Lesern gelangen – das hat sich Martin Mosebach bei der Wiedereröffnung des Lyrik Kabinetts in seinen neuen Räumen in München hinter der Universität gefragt und die Antwort an historischen Beispielen festgemacht, die die Gegenwart nicht außer acht lassen: von der hellenistischen Antike über die Georgische Jahrhundertwende bis in die Realität von Gefängnissen reicht seine Beispielreihe und er zeigt in seiner fulminanten Rede, daß man, wie Baudelaire gesagt hat, wohl drei Tage ohne Nahrung leben könne, aber sicherlich niemals ohne die Lektüre eines Gedichts. »Gewiß, Slalomfahren ist eine Kunst, aber Springen und durch die Luft fliegen ist eine andere, die die Dichter nur noch selten wagen.« Der sokratische Gedanke, »daß eine Erkenntnis Gültigkeit und Leben nur in jenem Kreis besitzen könne, der sie im Gespräch gewonnen hatte«, bezeichnet auch eine der zentralen Aufgaben der Münchner Stiftung, die seit fünfzehn Jahren fast allwöchentlich Dichter versammelt und einem immer zahlreicher werdenden Publikum präsentiert – der letzte Salon einer großen Tradition, die sich immer wieder aus der aktuellsten Gegenwart erneuert und zugleich die Überlieferung nicht einbüßt. Martin Mosebachs Rede, nach der von Theodor W. Adorno ein zweiter großer Hymnus auf die gesellschaftliche Verantwortung und Funktion von Poesie, ist zugleich die programmatische Eröffnung der künftigen Haus-Reihe >Münchner Reden zur Poesie<, mit denen das Lyrik Kabinett ab sofort auf die aktuellen Tendenzen zeitgenössischer lyrischer Dichtung seismographisch reagiert.

Martin Mosebach, 1951 in Frankfurt am Main geboren, schloß 1979 sein Jurastudium ab. 1980 erhielt er den Förderpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung und arbeitet seitdem als freier Schriftsteller. 1999 wurde er mit dem Heimito-von-Doderer-Preis geehrt, 2002 mit dem Kleistpreis, 2003 mit dem Spycher-Preis, 2004 mit dem Blauen Salon Preis des Frankfurter Literaturhauses. Sein Werk umfaßt Romane (Das Bett, 1983/2002; Westend, 1994; Die Türkin, 1999/TB 2002; Eine lange Nacht, 2000/TB 2003; Der Nebelfürst, 2001/TB 2003; Ruppertshain, TB 2004), Essays (Häresie der Formlosigkeit und Mein Frankfurt 2002), Erzählungen (Stilleben mit wildem Tier, 1995; Die schöne Gewohnheit zu leben. Eine italienische Reise, 1997; Das Grab der Pulcinellen, 2001), Gedichte, Theaterstücke (Rotkäppchen und der Wolf, 1991), Drehbücher und Libretti, Reportage und Feuilleton.


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Münchner Reden zur Poesie

Die Reihe widmet sich poetologischen Fragen und dokumentiert zugleich die Bedeutung, die der Dichtung in verschiedenen Bereichen der Gegenwartskultur zukommt. Die Reden werden ein- bis zweimal jährlich gehalten. Sie wurden begründet von Ursula Haeusgen und Frieder von Ammon und werden herausgegeben von Holger Pils und Frieder von Ammon.

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Martin Mosebach

Ein Haus für Gedichte

Rede zur Eröffnung des neuen Lyrik Kabinetts München in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität am 3. März 2005.
Buchgestaltung und Typographie von Friedrich Pfäfflin (Marbach).

Lyrik Kabinett,
München 2005

ISBN 978-3-9807150-9-6, 7,00 €

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