Der Flügelflagel gaustert /
durchs Wiruwaruwolz, /
die rote Fingur plaustert, /
und grausig gutzt der Golz.
Nach Eden. Gedicht
Verlag
Suhrkamp, Berlin 2024 (1. Aufl.)
Bibliographie
Seel, Daniela
Nach Eden. Gedicht
Suhrkamp, Berlin 2024 (1. Aufl.)
Größe: 8°
Seitenzahl: 90 S.
Einband: Hardcover
Vorl. Spr. Orig.: Deutsch
Monographie
Gedichte/Prosagedichte
Buch
Aus einer Beunruhigung, einer Bewegung, aus Weite Rau-m. 7
NACH EDEN
Mein Kind hat mir mein Sterben geschenkt. 11
Eine Grobheit, ein Mündel, das meine Hand ist. 12
Ein Kind verlieren. Wie unzureichend sich das sagt. 13
Als ich 18 war, dachte ich von mir nicht als Frau. 14
Nach den Palpationen, 15
Sing mir, Walgesicht, von beinahe lichtlos 16
Ein vollkommen künstliches Ökosystem, 17
Mama, warum gibt es eigentlich die Welt und die Menschen? 18
Ich frage mich, ob es eine Komplizenschaft gibt 19
Könnte ich meine Grausamkeit verlernen, 20
All die verlassenen, die aufgelassenen Gräber. 21
Wenn Trost nicht für uns ist 22
Wie gottverfolgt dagegen die Lebenden 23
Als meine Onkel 18 waren, wurden sie eingezogen. 24
Am Tag nach der Ausschabung sinkt mein Blutdruck 25
Eine Beerdigung stelle ich mir als das Ritual vor, 26
19 Jahre später unter Geburt kommen die Wehen wieder 27
Das geburtsmedizinische Dogma der angeleiteten 28
Einmal in Arizona sah ich eine Nacht 29
Mama, wir sind Frauen. 30
Pinien, Kiefern, Wacholder, Zypressen, Tannen, 31
Sing mir, Walgesicht, von der Weisheit 32
Wer hat die Mauern um Eden gebaut? 33
Meine Großmutter war die uneheliche Tochter 34
Wale bleiben manchmal über Tage, Wochen, 35
Mama, wann kommt Schnee? 36
Einer meiner möglichen Schulwege führte 37
Die Erwachsenen-»Euthanasie« wurde 1941 38
»Nein«, schreibt Christine Lavant, »ich bin hier sicher 39
Als meine Kinder geboren werden, bin ich 43 und 45 40
Auf Instagram lese ich viele Geschichten von Müttern, 41
»... da mußte jeder, der da wieder 42
Wohin gehen, die auferziehen 44
Kehr, damit sie schauen sollte, in Zweifel: da bin ich, 45
Wie an das Nächste zwei Bretter und zwei 46
Gesichte, Gesichte unkündbar, ein Menschenwerk. 47
Nirgend Gefäß, nirgend Aufgang: Traube. 48
Turniere, der Welt genährt zu sein, siezend, 49
Oder wünscht ich zu sein mit der Stimme 50
Buttre die Gotthälften, 51
Unter welchen Umständen hättest du dich geschickt? 53
Von den Karten die Leere, 55
Ein anderer meiner Schulwege führte an jenem Verlies 56
»Ihre Hexensalbe hätte sie in dem Keller in ihrem Haus 57
Aus Nesseln gebürstet, 58
»Warum nennt das Gesetz hier eher Frauen 59
Wettermacherin, Hebamme, Kräuterkundige, Weise Frau 60
Als Eva aufstand und sich anzog? 61
Sing mir, Walgesicht, von deiner Begabung zum Licht 62
Das Licht der Tiefsee stelle ich mir 63
Wie dürftige Zeugnisse Gerichtsakten sind, 64
Als die Perser Mesopotamien erobern, geben sie 65
Was begreifen jene europäischen Westindienfahrer:innen 66
So gings mit dem Blutgericht, der Prozession 67
Seit dem 18. August 193 9 (Az.: IVb 3088/3 9-1079 Mi, IV 68
In den 1950er und 60er Jahren wurden die »Zöglinge« 69
Wenn Stein nicht vergisst, Stille nicht vergisst, 70
Mein Vater, der als dritter Sohn von der Wehrpflicht 71
Die endlos von Klopfen umschlagene Ebene. 72
Und wurde Kies, wurden Flechten, ein Schuppen, Hort 73
Mama, ich liebe dich bis zum unendlichen Gott 74
Mama, ich höre die Bäume. Ich höre die Bäume singen. 75
Häuslichkeit fällt über mich her 76
Werde ich die sein, von der du gelernt hast, 77
Und wenn du fällst, wenn du hinschlägst, 78
Mama, hör auf zu schimpfen, bitte. 79
Wie kann ich mich halten, dich halten, 80
Die Ärztin sagt: Alles, was sie können müssen, 81
Wann würde Beruhigung kippen 82
In einer Stille leben, die das Gedicht ist, 83
Geister, Gesichte, dass es euch gibt. 84
Das Licht im Mutterleib stelle ich mir 85
Bis ich verschwinde, will ich doch glauben 87
Artikelnummer978 3 518 43189 4