LaL_D9_V

Ich trage zwei Gefäße auf meinen Schultern, /
aber keines ist verödet, /
sie lächeln ständig.

(Anas Dahous, D9, Deutsch-Förderklasse, Wilhelm-Busch-Realschule, 2017-18)

Lust auf Lyrik

Begeisterung für Poesie bei Schulklassen? Wie das möglich ist, zeigt seit fünfzehn Jahren das Modellprojekt „Lust auf Lyrik“: In einer von Lyrikern betreuten Werkstatt erkunden Schülerinnen und Schüler spielerisch die Faszinationen eigenen poetischen Schreibens und lassen Vorurteile gegenüber Gedichten gar nicht erst entstehen. Die Ergebnisse ihres lustvollen Umgang mit der Poesie stellen sie dann dem Publikum vor: Mit Aneignungen, Rezitationen, Collagen, Übersetzungen und freien eigenen Kompositionen, z. T. auch in Verbindung mit Bildern oder Musik.

„Lust auf Lyrik“ bewirkt bei den Schülern eine Sensibilisierung für Sprache und ihre sozialen wie individuell-expressiven Potentiale: Es fördert Selbstvertrauen, Experimentierfreude und Kreativität im Umgang mit Sprache. Es ermöglicht eine schöpferische Verarbeitung von Konflikten oder die Bewältigung existentieller Ängste, zum Beispiel vor Krieg, ökologischer Zerstörung oder Einsamkeit. Zugleich lernen alle Teilnehmer durch Gedichte und ihre Übersetzung, andere Sprachen und Kulturen wahrzunehmen und wertzuschätzen.

Es bestehen verschiedene „Lust auf Lyrik“-Module:


Außerdem bieten wir für alle Interessierten Führungen durch unsere Bibliothek an.

„Lust auf Lyrik“ wurde mehrfach (bzw. wird aktuell) unterstützt vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, der Waldemar Bonsels Stiftung, der Landeshauptstadt München, anderen Institutionen und engagierten privaten Förderern. Wir danken allen Unterstützern herzlich!

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Aktuelles

LaL_D9_V
Gedichte der Deutsch-Förderklasse der Wilhelm-Busch-Realschule

Kreative Auseinandersetzung mit einem Gedicht der großen deutschsprachigen Tradition

Textvorlage: „was brauchst du?“ von F. Mayröccker

was brauchst du? einen Baum ein Haus zu
ermessen wie groß wie klein das Leben als Mensch
wie groß wie klein wenn du aufblickst zur Krone
dich verlierst in grüner üppiger Schönheit
wie groß wie klein bedenkst du wie kurz
dein Leben vergleichst du es mit dem Leben der Bäume
du brauchst einen Baum du brauchst ein Haus
keines für dich allein nur einen Winkel ein Dach
zu sitzen zu denken zu schlafen zu träumen
zu schreiben zu schweigen zu sehen den Freund
die Gestirne das Gras die Blume den Himmel

für Heinz Lunzer

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Gedichte der D9 der Wilhelm-Busch-Realschule

Was brauchst du?

Ich brauche ein Haus, wo ich wohnen kann.
Ich brauche deine Hilfe, damit ich lernen kann.
Ich brauche dich, um mich wohlzufühlen.

Ich brauche einen Stift, damit ich weiterschreiben kann.
Ich brauche meine Gedanken, damit ich mein Ziel erreichen kann.
Ich brauche meine Familie, weil ich zu ihr gehöre.

Anas Dahous


Was brauchst du?

Ein Haus.
Und einen Garten mit vielen Blumen in verschiedenen Farben, um daran zu riechen.
Die Blumen sind Teil der Natur und das Haus ist wie eine Heimat:
Man kann dort weinen, schlafen und lachen
oder lesen, träumen und alles machen!

Die Blumen färben das Haus.
In diesen Farben fühlt man sich nicht allein.

Manchmal können uns die kleinen Dinge
glücklicher machen als die großen.

Fidan Yunis


Was brauchst du?

Ein kleines Haus mit nur ein paar Quadratmetern,
so wenig, dass du das ganze Haus in vier Schritten durchqueren kannst.

Du brauchst ein so kleines Haus,
aus dem würdest du am Morgen hinausgehen
mit einer Tasse voll heißem Kaffee,
den würdest du trinken mit den ersten Strahlen der Morgensonne.

Aus der Haustür musst du nur ein paar Meter gehen,
bis du zu der salzigen, nassen und glühenden Wand kommst,
zu deinem Lieblingsort …

Laura Knežević

 

Ich will viele Dinge
aber nicht zu viel

genug, dass ich lächeln kann
nicht so groß, nicht zu riesig

vielleicht morgens Sonnenschein
vielleicht ein Glas Rotwein

vielleicht eine Tasse Tee
oder gute Nachrichten im Fernsehen

ein guter Freund macht mich genauso froh
wie ein Lottogewinn

mir ist egal, wie viel die Überraschung kostet,
denn das kostbare Lächeln danach,
das ist es, was zählt.

Noham Gabrael

 

Maler

Damit du ein Maler wirst, brauchst du nicht so viel,
nur einen Pinsel, ein bisschen Farbe, eine Palette und eine Leinwand.
Wenn ich jetzt noch einmal nachdenke, dann erinnere ich mich,
dass man ohne Talent und ohne Wunsch
kein Maler werden kann.

Ajla Hodžić


Was brauchst du?

Ich brauche meinen Heimatort, noch einmal will ich ihn besuchen.
Ich möchte zu den alten Läden gehen.
Ich werde auf der Gasse spazieren gehen.
Es wäre auch schön, ein klassisches Frühstück zu essen.

Aber jemand hat mir gesagt, das sei alles verändert.
Dort gibt es keine alten Läden, sondern ein Einkaufszentrum.
Dort gibt es keine kleinen Gassen, sondern große Straßen.
Niemand isst Reisbrei, sondern Brot und Kaffee.
Die Stadt braucht mehr Entwicklung.

Aber ich brauche meinen eigentlichen Heimatort.
Ich möchte wirklich noch einmal meinen Heimatort besuchen.
Ich hoffe, alles wird gut.

Zengxiao Xia


Was ich brauche?

Eine Dunkelheit, eine Stille, ein Schweigen
und endlich ein Grab mit einem schönen weißen Totentuch.

Alles, was ich brauche, um mich zu erholen, zu beruhigen, zu vergessen.
Vergessen die unvergessliche Vergangenheit,
vergessen die unvergessliche Angst,
vergessen die unvergesslichen Erlebnisse.

Alles, was ich brauche, das Einzige, das ich brauche,
auf dieser schwarzen Welt,
auf dieser hoffnungslosen Welt,
auf dieser Ungerechtigkeit:

eine Dunkelheit, eine Stille, ein Schweigen
und endlich ein Grab mit einem schönen weißen Totentuch.

Khatoon Jalali

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Hand-Gedichte

Wenn man anderen Leuten Rosen schenkt,
werden die eigenen Hände das Aroma von Rosen haben.

Wenn man anderen Leuten die Hände gibt, um ihnen gehen zu helfen,
wird man auch glücklich.

Wenn wir unsere Hände zusammen nehmen,
wenn meine Hände sich in deine Hände geben:
Bitte sei nicht scheu, bitte sei nicht abgestumpft!

Ich hoffe, Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit bei dir zu finden.
Lass dich zu mir kommen.

Zengxiao Xia

 


Was du gemacht hast!

Begrüßen mit der Hand, ohne Ziel
oder ohne etwas zu wünschen,
für dich.

Was du gemacht hast!

Die Hand – mit viel Hoffnung
– streckte ich aus.

Dann hast du alle Hoffnung abgebrochen.

Ich bin zuversichtlich, kämst du wieder.

Reshad Hamrah



Ich habe euch nicht, ich habe euch nicht!
Als ich erwachte, war ich ohne Hände, ohne Hände!

Nicht mehr schreiben, nicht mehr bewegen, nichts mehr kann ich machen.
Ihr gehört nicht mehr mir!

Meine armen Hände, hab ich euch nicht mehr.
Nicht mehr fliegen, nicht mehr fliehen und nicht mehr freuen kann ich mich.
Ihr gehört nicht mehr mir!

Wo seid ihr? Warum hab ich euch nicht mehr?
Hab ich mit euch eine Schuld getan?
Hab ich mit euch eine Sünde getan?

Jede zieht mich auf eine Seite:
Einmal nach rechts, einmal nach links!
Einmal zur Hölle, einmal zum Paradies.
Jede will etwas bezeugen!

Alles, was ich mit ihnen gemacht habe, alles, was ich mit ihnen getan habe!

Ich habe Angst, ich habe Angst!

Mit zwei gesprochenen Händen, mit zwei unbekannten Händen.

Gegen einen Richter, in einem Gericht!

Khatoon Jalali

 

 

Ich begann vor vielen Jahren,
mit meinen Händen die Seele zu spielen.

Ich wusste damals nicht, dass sie irgendwann
meine Medikamente sein würden.

Ich habe viel mit dieser Seele gespielt und geübt,
bis ich sie entdeckt habe und sie mich entdeckt hat.

Aber mehrmals musste ich sie hinter mir lassen
oder durfte sie nicht mitnehmen.

Es tat mir sehr weh.
Da wo ich war, konnte ich meine Seele nicht in den Händen haben.

Als ich mich wieder mit meiner Seele getroffen habe,
hat sie geschrien und gefragt: Wo warst du, umarme mich!

Ich habe dich vermisst! sagte sie.

Als ich sie wieder in den Händen hatte,
habe ich alle meine Gefühle ausgeschüttelt

und sie hat mich gezwungen,
zu singen und zu spielen.

Broksista Yunis

 

Still stehen         hoch schauen

meine Hand in Richtung Himmel heben

viele Fragen stehen auf meiner Handfläche geschrieben

Ich hoffe, Gott kann sie lesen
Ich hoffe, Gott kann Deutsch lesen

Noham Gabrael

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Sehnsuchtsorte

Ich wäre gerne an einem Ort, wo es keine Probleme gibt,
wo alle glücklich sind.

Die Vögel pfeifen und die Kinder lachen.

Niemand streitet.
Die Leute sind nett und höflich.
Die Sonne scheint.

Ich kann Kerzen riechen.
Sie riechen nach Erdbeere und Vanille.

Niemand hat Hunger, niemand ist durstig.
Das ist unglaublich.

Es wäre schön, wenn es wahr wäre.
Leider gibt es den Ort nicht.
Die Leute wollen nicht teilen, helfen.

Das ist meine imaginäre Welt.
Man kann nur träumen und glauben,
dass sich etwas ändern wird.

Maja Homan


Wenn ich ein Vogel wäre,
würde ich gerne in ein großes Haus im Wald gehen.

Es schneit sehr, sehr stark, überall ist es weiß
und Schneeflocken fallen an mein Fenster.

Ich sitze neben einem großen Kamin aus Steinen,
meine Ohren hören das Feuer knacken,
meine Augen sehen die rote Flamme.

Der ganze Raum ist dekoriert mit Lampen.
Draußen steht ein Weihnachtsbaum,
verstreut sein Licht so weit.

Brankica Kondic


Ich will auf einem Berg sein,
wo niemand mich finden kann,
auf dem höchsten Teil des Berges.

Und ich fühle die frische Luft,
sehe den Sonnenaufgang kommen.

Ich höre die Ruhe des Berges
und ich genieße eine warme Tasse Kaffee.

Christian Recinos Gil

 

Der Traum

„Der Traum wird am zweiten Tag wahr.“

Ist diese Äußerung richtig?
Ich bin mir nicht sicher!

Der Traum ist, was wir mit unserem Kopf bewegen.
Positiv und negativ!

Der Mensch hat mehrere Stämme.
Der Traum hat nur zwei:
                              Der Traum, den wir in der Nacht sehen.
                              Der Traum, den wir uns in der Zukunft wünschen.

Der Mensch kann den Traum kontrollieren
und der Traum kann den Mensch kontrollieren,
aber trotzdem bleiben sie in Freundschaft.

Der Mensch kann ohne Traum nichts erreichen.
Der Traum kann ohne Mensch nichts erreichen.

Broksista Yunis

 

Ich bin, bis die Sekunden meines Lebens enden,
bis zum letzten Atemzug.

Du bist weg, mein Atem!

Ich bin Sehnsucht
nach dem Lob Gottes.
Nur ein Wunsch.

Der Wunsch ist nur für dich:
wundervoll zum Leben,
dass du glücklich bist!

Reshad Hamrah

 

Pfirsichblüte

Ich habe fünf Kronblätter.
Sie sind hellpink, mit leichtem, angenehmem Duft.

Ein leiser Wind säuselt mir;
Ich flattere langsam, sehr langsam.

Ein kleines Glas Wein habe ich gesehen.
Ich würde gerne dahin fallen.
Dann werde ich zu Pfirsichblütenwein werden.

Ein Buch habe ich gesehen.
Ich würde gerne dahin fallen.
Dann werde ich ein Lesezeichen werden.

Schau mal: ein Junge!
Ich würde gerne auf seine Hände fallen und ein Geschenk werden.
Geschenk für wen?
Geschenk für seine Mignon.

Zengxiao Xia

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Meisterstücke

„Đes ba?!“

„Đes ba“ ist mein Lieblingswort.
„Đes ba“ bedeutet: Wo bist du.
„Đes ba“ sagen wir, wenn wir unseren Freund sehen, obwohl wir wissen, wo er ist.
„Đes ba“ sagen wir, wenn wir mit unserem Freund telefonieren.
„Đes ba“ ist unsere Begrüßung.

Ajla Hodžić


Freund

Du bist das Ziel meines Lebens,
ein Freund – ohne Zweifel vertraue ich mich dir an.

Wenn ich besorgt bin,
wenn ich Liebe von meiner Mutter brauche,
bist nur du da.

Ohne Grund, ohne Wünsche für mich,
du bist dabei, mein Freund.

Der Freund hat sein Leben für mich geopfert,
er hört ohne Langeweile zu,
er ist mein Alles.

Ich stelle mir vor,
er ist mein Stift und mein Heft:
du bist mein Freund!

Reshad Hamrah

 

_______ (dou kou nian hua) sind wir.
Wir sind Jugend und Impuls.
Wir sind wie eine Knospe, die aufbrechen will.
Wir sind wie ein früher Morgen voller Tautropfen.
Unsere lächelnden Gesichter sind Sonnenschein.
Unser Gelächter ist Wind.
Alle sind so schön.
Während der Zeit.
Während der Zeit, wenn wir 15, 16 Jahre alt,
Junge und Mädchen sind.
_______(dou kou nian hua): Unsere Epoche!

Zengxiao Xia


Winter

Im Winter ist der Himmel ganz weiß.
Die Straßen sind voll Schnee.
Manchmal zeigt das Gefühl uns einen Weg.
Aber es zeigt nicht immer den richtigen Weg.

Im Winter ist es sehr kalt und gefroren.
Manche Menschen denken, sie fühlen etwas,
und wissen nicht, dass sie kein Gefühl haben.

Die Bäume sind weiß,
wenn es schneit,
dann hört man kein Geräusch
und ist ganz ruhig,
nicht fröhlich, nicht traurig.

Fidan Yunis

 

„Pahuljice“ sind sehr kleine Dinge, kalt und weiß.
„Pahuljice“ haben eine Magie und sind ein wundervolles Phänomen.

Jede „pahuljica“ hat verschiedene Formen,
es existieren keine zwei Gleichen.

„Pahuljice“, wenn sie auf den Boden fallen, funkeln.
„Pahuljice“ symbolisieren Winter und aus ihnen ist der Schneemann gemacht.

Brankica Kondic

 

Ich bin der Regen und ich geh, wohin mein Herz mich führt.

Spontan schwebe ich auf meinem Weg.

Was ersehne ich am meisten?

Meine Mutter glücklich zu sehen,
eine gute Note zu bekommen,
das Lachen meiner Freunde.

Es gibt traurige Tage,
aber dafür gibt es Regen.

Wenn du kein Vertrauen in dich hast,
in deine Handlungen,
in deine Gefühle.

Aber ich bin ein glücklicher Regen,
ich bin immer da.

Marija Babaić



Ich bin der Regen und ich geh
allmählich, geduldig.

Ich falle auf ein ödes, trockenes Gebiet,

ich springe mit meiner täglichen Gewohnheit,

nur Wildnis und ich.

Solange, bis aus ruhigem Regen ein Platzregen wird,
und aus erholsamem Land eine Flut entsteht.

Und dann beruhigt sich der Regen und
sieht das verschluckte Land.

Ich bin der Regen und ich geh,
suche neue Wildnis.

Laura Knežević

 

 

Ich habe meine Füße auf zwei Pyramiden.
Wenn sie sich in Stürmen bewegen,
zerren sie mich mit,
sie heben mich hoch.

Ich trage zwei Gefäße auf meinen Schultern,
aber keins ist verödet,
sie lächeln ständig.

Es gibt keine Grenze,
aber ich kann nicht alles unter einen Hut bringen.

Ich lache mich tot wie ein Verrückter,
mein Leben ist uneingeschränkt
wie von einem Helden.

Anas Dahous


Ich habe mein Herz, meine Gedanken in einer unbekannten Welt

ein Gefühl, ein Gewissen steckt in mir immer noch

ein Gedanke hier, ein Gedanke dort

jede Sekunde, jede Minute kommt ein neuer Bescheid

ein Bescheid vom Tod, ein Bescheid von Bomben

ach, meine Heimat, ach, wann wird Freude, Ruhe zurückkommen

wann wird endlich ein Lächeln auf unserer Familie sein!

Ich bin hier, ich bin hier, aber meine Seele, mein Herz, mein Gewissen
ist immer bei meinen unschuldigen Leuten.

Ach, mein Heimatland, ach!!!

Khatoon Jalali


Hundertmal Stopp unterwegs

Meine Augen sind auf! Was sehe ich!
Die Häuser sind auf dem Boden!
Die Straßen sind unbekannt geworden!
Die schwarzgekleideten und maskierten Männer sind mit Waffen!

Stopp! Grenze.
Ausweis, schnell!
Das Herz schlägt schnell!
Die Hände spülen weg!
Die Zunge hört auf zu sprechen.
Fertig!
Ihr könnt weiter fahren!

Noch 100 Meter!
Stopp! Grenze.
Ausweis, schnell!
Das Herz schlägt schnell, schnell!
Die Hände spülen weg!
Die Zunge hört auf zu sprechen.
Ich kann nicht gut atmen!

Fertig!
Ihr könnt weiter fahren!

Oh, Gott sei Dank!

Broksista Yunis


Der liebevolle Baum

Die Blätter waren sehr stolz auf diesen Baum.
Die Blätter waren sehr begabt für diesen Baum.
Der Baum hatte viele Zweige.

Ohne diesen Baum sind die Blätter nichts.
Ohne diesen Baum sind die Zweige nichts.

Der Winter griff den Baum an.
Die Blätter fielen.
Die Blätter starben.
Die Blätter flohen.

Es regnet!
Die Äste brechen.
Die Blätter sind voll mit rotem Wasser auf dem Boden.

Broksista Yunis


ein tiefes Meer, tiefer als der tiefe Himmel

ein rotes Meer, roter als die rote Blume

ganz einsam, einsamer als immer

jede Sekunde, jede Minute kommt es näher zu dir

ganz schwach, ganz leise, ganz leicht,
vielleicht wie eine Leiche auf dunklem Wasser

du fühlst dich kalt, kälter als der kalte Winter

du willst fliehen, fliehen vor dem roten Meer!

warum eigentlich rot, leise, kalt?

ist dieses rote Wasser, ist dieses kalte Meer
nicht von unschuldigen Leuten?

ist es nicht das Blut der armen Leute?

Khatoon Jalali


WIR SIND ALLE MENSCHEN

Egal, an welche Religion man glaubt,
egal, welche Hautfarbe man hat,
egal, welche Kultur man praktiziert,
egal, welche Sprache man spricht,
egal, woher man kommt:

WIR SIND ALLE MENSCHEN!

Wir wohnen zusammen auf dieser Erde.
Wir müssen uns RESPEKTIEREN!

Leute sollen aufhören,
andere Menschen wegen ihrem Aussehen
zu beleidigen und zu beurteilen.

Sie sollen aufhören,
jemanden komisch anzugucken,
weil er anders ist.

WIR SIND DOCH ALLE NUR MENSCHEN!

Maja Homan