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Langsamer träumen! denke ich und sehe /
mich nach Deckung um

(Harald Hartung)

TITAN Heft 10/2007

Joachim Seng

Mitsprechende Gedankenwelt

Früher und nachhaltiger als die »wissenschaftliche« setzt eine produktive Rezeption Borchardts bei Autoren ein, die sein Werk nach 1945 zur Kenntnis nehmen: ohnehin bei Werner Kraft und Theodor W. Adorno, die ihn seit Jahrzehnten lesen, vor allem aber bei so unverbunden nebeneinander und nacheinander in der Epoche stehenden Figuren wie Paul Celan, Helmut Heißenbüttel, Friedhelm Kemp, Botho Strauß, Franz Josef Czernin, Martin Mosebach oder Martin Walser.

Der Auseinandersetzung Paul Celans mit Rudolf Borchardt in den jahren 1954 bis 1960 geht joachim Seng hier erstmals anhand bisher unbekannter Briefe, Entwürfe und der erhaltenen Arbeitsbibliothek nach. Dabei wird nicht nur die komplizierte Genese der Dankrede für den Bremer Literaturpreis vom 26. januar 1958 rekonstruiert (der achtzigjährige Rudolf Alexander Schröder hätte die Zuerkennung des Preises gern verhindert), sondern auch die vielschichtige Entstehung des Gedichtes >Andenken< aus dem Band >Von Schwelle zu Schwelle< sichtbar - als das Ergebnis einer intensiven Lektüre von Borchardts >Altionischen Götterliedern< aus dem jahr 1924.

Trotz einer Jaul Celan jederzeit kritisch bewußten Distanz zu Borchardts Person und erst recht zu seinen Lebensthesen zeigt sich dabei, wie sehr diese punktuelle Wahrnehmung vor allem des Übersetzers nach Homer und auch Swinburne im Zeichen des von Celan auch sonst gern geübten »Zusammen-lesens« für das eigene Dichten fruchtbar werden kann. »Dieser erstaunliche Rudolf Borchardt!« lautet bezeichnenderweise sein wiederkehrender Ausruf. - Die Abhandlung erscheint zum 80. Geburtstag des mit Paul Celan befreundeten Dichters Klaus Demus, der ihn immer wieder auf Rudolf Borchardt hingewiesen hat.

Der Autor: Joachim Seng (geb. 1966), studierte Germanistik, Politologie und Volkswirtschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Promotion mit der Monographie »Auf den Kreis-Wegen der Dichtung«. Zyklische Komposition bei Paul Celan am Beispiel der Gedichtbände bis >Sprachgitter< (Heidelberg: Universitätsverlag Winter 1998). Seit 1997 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Freien Deutschen Hochstift/Frankfurter Goethe-Museum, wo er zunächst das Hofmannsthal-Archiv betreute und seit 2007 die Institutsbibliothek leitet.


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Außerhalb der Reihen sind im Lyrik Kabinett verschiedene einzelne Publikationen erschienen. Zu beziehen über das Lyrik Kabinett sind außerdem die „Mitteilungen des Rudolf Borchardt-Archivs“ (Titan, Heft 1-12).

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Joachim Seng

Mitsprechende Gedankenwelt

Paul Celan als Leser Rudolf Borchardts. Zugleich der Versuch, sein Gedicht ›Andenken‹ zu verstehen.

Lyrik Kabinett München,
Mai 2007

ISBN 978-3-938776-11-7, 15,00 €

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