Der Flügelflagel gaustert /
durchs Wiruwaruwolz, /
die rote Fingur plaustert, /
und grausig gutzt der Golz.
Was ist /
das Gedicht? Was stellt es dar? Sagt, /
eine Tröstung aus Trauer und Zorn.
Gérard Macé
Zwischen Vision und Wirklichkeit – Gérard Macé, einer der großen lebenden Dichter Frankreichs, zum ersten Mal auf Deutsch
In Gérard Macés ebenso lakonischen wie musikalischen Gedichten verwischen die Grenzen von Realität, Traum und Mythos: So erinnert ein auf dem Bürgersteig vergessener Schuh mal an Empedokles, mal an Aschenputtel; so führen uns Kindheitserinnerungen in die Welt der Märchen und Legenden, von denen allerdings nur noch Reste übrig bleiben. Und selbst der als unsterblich gefeierte Name des Odysseus erlöst nicht unsere Welt, in der nur noch die Energie der Verzweiflung neue Lebenskraft spendet: »Was von den Träumen bleibt: einstmals / verbranntes Holz, ein Haufen Asche / nach dem Aufbruch eines Nomadenlagers. / Heute Plastiktüten / zwischen den Ästen im Baum.« In Macés schillernder Lyrik entsteht so das einzigartige Gemälde einer zwischen Vision und Wirklichkeit fließenden Welt.
Gérard Macé
Gérard Macé, 1946 in Paris geboren, veröffentlichte ab 1974 zahlreiche Werke, die zwischen Dichtung und Essay stehen. Gegenstand seiner Bücher ist oft die Sprache, sei es die literarische Sprache, sei es die zu entziffernde Sprache der Hieroglyphen (»Le Dernier des Égyptiens«, 1988) oder das Chinesische und seine Kultur. Seit 1997 arbeitet er auch als Fotograf. Macé erhielt 1980 den Prix Femina Vacaresco, 2002 den Prix Roger Caillois und 2008 den Grand Prix de Poésie der Académie française für sein dichterisches Lebenswerk.
Edition Lyrik Kabinett bei Hanser
In dieser Reihe erscheinen seit 2006 zwei bis drei Lyrik-Bände pro Jahr, viele von ihnen zweisprachig. Gründungsherausgeber der Reihe sind Ursula Haeusgen, Michael Krüger und Raoul Schrott. Weiterer Herausgeber von 2016 bis 2019 war Wolfgang Matz, seit 2019 Piero Salabè. Seit 2021 sind die Herausgeber Michael Krüger, Piero Salabè und Holger Pils.