Der Flügelflagel gaustert /
durchs Wiruwaruwolz, /
die rote Fingur plaustert, /
und grausig gutzt der Golz.
Einen ‚Erinnerer‘ nennt Joachim Sartorius den Dichter und vergleicht das Gedicht mit einer Stele, die über der Asche eines Lebensaugenblicks wacht und sie überdauert. Schreiben meint für Sartorius zurückschauen, bewahren, aber auch: erneuern. Wer Sartorius liest, gerät in den Sog einer berückenden Intensität. Sein neuer Lyrikband Die besseren Nächte versammelt Lyrik über das Alter, Fülle und Vergänglichkeit, Götter und (allzu) winzige Katzen, lichttrunken und wahrnehmungsverletztlich, zwischen dem Strandgut auf dem Schreibtisch und den Gestaden des Mittelmeers. Die Antike ist präsent und vertraut wie Arethusa am Geschirrspüler. Und immer wieder werden Kindheit und Jugend zurückerobert. Joachim Sartorius wuchs in Tunis auf und lebt heute – nach längeren Aufenthalten in New York, Istanbul und Nicosia – in Berlin und Syrakus. Er war Generalsekretär des Goethe-Instituts, leitete die Berliner Festspiele und bis 2024 das Kuratorium des Lyrik Kabinetts. Angelika Overath lebt als vielfach ausgezeichnete Autorin und Dozentin für Kreatives Schreiben in Sent, Engadin.
SCHENKEN
Warum macht es Spaß,
Vergängliches zu schenken?
Blumen, Häuser, Gefühle?
Als wir noch jung waren
und ich Manschettenknöpfe trug,
schenkten wir uns zukünftige Erinnerungen.
Sie brauchten lange, um zu verderben.
Manchmal trafen sie nicht einmal ein.
Die Zukunft hat ein sehr altes Herz.
Joachim Sartorius, Die besseren Nächte. Gedichte, Kiepenheuer & Witsch 2026.
Die besseren
Nächte
Joachim Sartorius
liest aus
seinem jüngsten Band
Im Gespräch mit ihm:
Angelika Overath
Lyrik Kabinett
Amalienstr. 83a (Rückgebäude)
U3/U6 Haltestelle Universität
Eintritt: € 10 / erm. € 7
Mitglieder unseres Freundeskreises: freier Eintritt
Abendkasse, freie Platzwahl