Der Flügelflagel gaustert /
durchs Wiruwaruwolz, /
die rote Fingur plaustert, /
und grausig gutzt der Golz.
Ich schrieb ein Gedicht und musste gerade niesen, als /
Vater an der Tür klingelte. Ich erschrak /
dermaßen, dass die Mine brach, und statt zu niesen /
hustete ich. Der Unterschied zwischen Gut und Böse /
ist offensichtlich.
Nadja Küchenmeister
Über dieses Buch
In den Gedichten von John Burnside (1955–2024) bewegt man sich zwischen „Seegras und Gebälk“, zwischen „Schwerkraft und Licht“, immer nahe bei den Dingen, den Tieren und den Geistern, denn da ist „ein Leben jenseits jenes Lebens, / das wir führen“. Jemand steht wie ein anderer im eigenen Hof und harkt Blätter, oder sitzt „im Zug nach Norden“, während der Körper sich verbindet „mit den Aromen / der Kindheit: / Anis / und Minze“. Vergangenes und Gegenwärtiges durchdringen einander auf dieser „Regenfährte von vor vierzig Jahren“, und hinter allem Sichtbaren lässt sich nur erahnen, was mit den Sinnen nicht fassbar wird. So findet man sich bei John Burnside wieder in einem „Raum, der reiner wäre / wo einer aufwacht und im Dunkeln flüstert / bis nichts / oder der Gedanke an nichts / Antwort gibt“. (Nadja Küchenmeister)
Die Zwiesprache wurde am 18. November 2025 im Lyrik Kabinett gehalten.
Über die Autorin:
Nadja Küchenmeister, 1981 in Berlin geboren, lebt dort als freie Schriftstellerin. Sie schreibt Features für den Rundfunk und lehrt Literarisches Schreiben. Zuletzt erschien ihr Gedichtband Der Große Wagen (2025). Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Mondseer Lyrikpreis, dem Basler Lyrikpreis und dem Bettina-Brentano-Preis.
Zwiesprachen
Die deutschsprachige Gegenwartslyrik empfängt wichtige Impulse aus einer lebendigen Auseinandersetzung mit den Dichtern der internationalen Tradition. In dieser Reihe schreiben Dichter über Dichter, die für ihr eigenes Schaffen bedeutsam sind.Die „Zwiesprachen“ werden herausgegeben von Holger Pils und Ursula Haeusgen und erscheinen im Verlag „Das Wunderhorn“.