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Der argentinische Dichter 
Sergio Raimondi liest aus seinen Gedichten
(spanisch / deutsch) 

Massengutfrachter, Migration, Michel Foucault, Mühltrichter, Algenforschung und flexible Steuergesetzgebung: Sergio Raimondi ist ein lyrischer Chronist der Alltagswirklichkeit Argentiniens, die er zugleich auf einen breiten kulturellen Hintergrund bezieht. Geboren 1968 in Bahia Bianca, war er Mitglied der Dichtergruppe Mateistas, die in den 1980-90er Jahren Gedichte an öffentliche Wände schrieb, leitete 2003-2011 ein Hafenmuseum, war Kulturreferent in Bahia Bianca und ist Dozent für zeitgenössische Literatur an der Universidad Nacional del Sur. 2018 verbrachte er mit einem Stipendium des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. Timo Berger, geboren 1974, ist Autor, Herausgeber, Journalist und Übersetzer spanischer und portugiesischer Literatur. Mit Rike Bolte gründete er 2006 das Poesiefestival Latinale. Im Nachwort von Sergio Raimondis Für ein kommentiertes Wörterbuch (Berenberg 2012), dem ersten von ihm übersetzten Band des Dichters, schreibt Berger: „Schöner könnte ein Plädoyer für eine weltgewandte Dichtung, die sich gleichzeitig alle literarischen Freiheiten nimmt, die Rhetorik und Tradition bereithalten, nicht ausfallen.“

A los reales seguidores del realismo

No es, como gustan decir, la voluntad
implacable de nombrar la experiencia
de quien ha sufrido y por eso desecha
el recurso del adorno mortecino. Es,
en todo caso, su confianza en los sustantivos,
su adjetivación rala y apenas expresiva
y cualquier atisbo de acción subordinado
a la persistencia y fijeza de una imagen.
Suyo el artificio, en fin, de que el verso
existe porque en algún lado se vivió,
no de que el verso es la vida y lo intolerable.

An die wahren Verfechter des Realismus

Es ist nicht - wie sie gerne behaupten - der
unerbittliche Wille, die Erfahrung dessen zu benennen,
der gelitten hat und es deshalb verschmäht,
sich blasser Ausschmückungen zu bedienen.
Es ist vielmehr ihr Vertrauen in Substantive,
ihre spärliche Wahl unscheinbarer Adjektive;
und jegliches Fünkchen Handlung ordnet sich
einem beständigen und starren Bild unter.
Ihnen ist letztlich das Kunststück zuzuschreiben, dass
ein Vers existiert, weil irgendwo gelebt wurde, und nicht,
dass der Vers selbst das Leben ist und das Unerträgliche.

Sergio Raimondi, Poesía civil / Zivilpoesie. Aus dem Spanischen von Timo Berger. Reinecke & Voß 2017, S. 62f.

Destornillator y vocal
Schraubenzieher und Vokal

Der
argentinische
Dichter 
Sergio Raimondi 
liest aus seinen Gedichten
(spanisch / deutsch) 

Moderation
und Übersetzungen: 
Timo Berger

Mittwoch, 16.01.2019 - 20:00 Uhr

Lyrik Kabinett
Amalienstr. 83a
80799 München

Eintritt: € 8 / erm. € 6
Mitglieder des Freundeskreises: freier Eintritt
Abendkasse, freie Platzwahl