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Münchner Rede zur Poesie - Uwe Kolbe

„Das Gedicht kennt nicht das Ziel seiner eigenen Reise. Meist geht es ja in die Nacht, meist in die Schwärze, wie jeder weiß, der nur einmal in seiner Nähe nicht schlafen konnte. Ansonsten sticht die Gabel in den Kohl. Das sieht dann aus, als fasste jemand einen Gedanken. Ob der etwas beiträgt, wenn es ans Hören und Fühlen, an die lustvolle Rezeption geht? Federico García Lorcas Vortrag über den Dämon gibt Auskunft. Ted Hughes verweist auf seine Initiation durch Robert Graves‘ Buch über die Weiße Göttin. In der luziden Klassik herrschen Apollo und sein neunköpfiges Gefolge. Dass die einst gemeinsam den Musiker Marsyas in die Falle seiner unreflektierten Ansichten vom künstlerischen Handwerk gelockt und hingerichtet haben, darf als bekannt vorausgesetzt werden.“ So Uwe Kolbe über seine Münchner Rede zur Poesie. Kolbe, geb. 1957 in Ostberlin, 1988 nach Hamburg übergesiedelt, wurde für seine Gedichte und seine Prosa vielfach ausgezeichnet. Seine jüngsten Gedichtbände, bei S. Fischer erschienen: Lietzenlieder (2012) und Gegenreden (2015).

Zweiter Jahrestag

 

Der Mond treibt in das Meer
ein langes Horn aus Licht.

Das Einhorn, das graue und grüne,
erschaudert, wenn auch ekstatisch.
Der Himmel schwebt über der Luft
als eine riesengroße Lotosblüte.

(Oh einsam durchwanderst du
den letzten Raum deiner Nacht!)

 

Federico García Lorca,

übersetzt von Uwe Kolbe: Original: “Segundo Aniversario” aus: “Canciones de la luna”, Canciones (1921-1924), wie in: Federico García Lorca: Obras I. Poesia 1. Edición de Miguel García-Posada, Madrid 1982, S. 554 

Münchner Reden zur Poesie XVII

Uwe Kolbe: Dämon und Muse. Temperamente der Poesie

Moderation: Frieder von Ammon

Dienstag, 07.02.2017 - 20:00 Uhr

Lyrik-Bibliothek
Amalienstraße 83a / Rückgebäude
80799 München

Eintritt: € 7 / erm. € 5

Mitglieder des Freundeskreises: freier Eintritt

Abendkasse, freie Platzwahl