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William Carlos Williams‘ Lang-Gedicht

Die erste Idee zu dem Gedicht „Paterson“ kam mir ziemlich früh: ein Bild zu finden, das groß genug wäre, die ganze von mir erfahrene Welt zu verkörpern... Ich wollte, wenn ich denn über größere Themen als Vögel und Blumen schreiben sollte, über Menschen in meiner Umgebung schreiben: ich wollte ganz genau wissen, wovon ich redete, bis ins Detail -–bis ins Weiße ihrer Augen, bis zu ihren Gerüchen. Das ist die Aufgabe des Dichters. Nicht in vagen Kategorien zu reden, sondern ins Einzelne gehend zu schreiben, so wie ein Arzt an einem Patienten arbeitet, an dem vor ihm liegenden Gegenstand, um im Speziellen das Allgemeine zu ent-decken... Ich betrachtete die Stadt als meinen “Fall“, den es zu bearbeiten, wirklich zu bearbeiten galt. Das verlangte eine Art von Poesie, die ich nicht kannte...

PATERSON: I. BUCH

 

Vorrede

 

„Strenge der Schönheit ist, was wir suchen. Aber wie

wollen wir Schönheit finden, wenn sie jenseits allen

Einspruchs eingesperrt ist im Geist?“

 

Einen Anfang machen,
aus einzelnen Dingen
und sie verallgemeinern, die Summe
aufhäufen, mit unzulänglichen Mitteln –
Die Bäume beschnuppern,
bloß ein Hund
unter vielen Hunden. Was
sonst gibt es? Und was tun?
Die anderen sind weggelaufen –
den Hasen nach.
Nur der lahme steht – auf
drei Beinen. Sich vorn und hinten kratzen.
Täuschen und fressen. Einen
modrigen Knochen ausgraben.

 

Denn der Beginn ist mit Gewißheit
das Ende – da wir so ganz und gar
nichts wissen, über die eigenen
Kompliziertheiten hinaus.

„Paterson“

Karin Graf und Joachim Sartorius

lesen aus ihrer Neu-Übersetzung von

William Carlos Williams‘

Lang-Gedicht.

Einführung: Michael Krüger

Montag, 21.09.1998 - 20:00 Uhr

Hörsaal E 04, Schellingstr.3

(U3 / U6 Universität)

Im Anschluß an die Lesung laden wir ein
in die Lyrik-Bibliothek zu Käse und Wein.

Eintritt: DM 10,- / DM 7,-
Mitglieder Lyrik Kabinett: frei