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für die Tapferkeit vor dem Freund, /
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse /
und die Nichtachtung /
jeglichen Befehls.

(Ingeborg Bachmann)

Das Lyrische Quartett vom 08.07.2015

Mit Gast Felicitas von Lovenberg

Zur Sommer-Ausgabe des Lyrischen Quartetts kam Felicitas von Lovenberg als vierte Diskutantin nach München gereist. Moderatorin Kristina Maidt-Zinke begrüßte die FAZ-Literaturchefin als eine Verfechterin der Lyrik, nicht zuletzt, da sie anlässlich des Preises der Leipziger Buchmesse der Gattung zu einem Leitartikel verholfen hatte. Zu Beginn der Diskussion stellte Maidt-Zinke Tom Schulz’ im Frühjahr bei Hanser Berlin erschienenes Buch „Lichtveränderung“ vor. Schulz sei ein „sehr angenehmer“ Lyriker, sagte sie: „Er plustert sich nicht auf.“ Andere Diskutanten waren kritischer. Heinrich Detering lobte zwar einzelne Gedichte des Bandes, sagte aber, Vieles rutsche „über die Grenze zum Kunstgewerblichen, manchmal zum Kitsch“. Harald Hartung fand das „Kunstgewerbliche“ gar „so stark, dass das Ernsthafte zu kurz kommt.“ Doch Detering relativierte noch einmal: Es ginge als Kritiker nicht immer darum, den Daumen hoch oder runter zu richten. In „Lichtveränderung“ seien „aus dem selben Bestreben einige miserable und einige wunderbare Gedichte“ entstanden.

Ähnlich gemischte Gefühle habe er auch, so Detering, bei Thomas Kunst Gedichtsammlung „Kunst“ gehabt, die Gedichte aus dreißig Jahren eint und jüngst bei der Edition Azur erschienen ist. Interessant an Kunst sei „eine bestimmte Geste“: „Der Autor zeigt sich als Vitalist, der nicht meisterhaft arbeiten will.“ Er schreibe eher neue Gedichte, statt geschriebene zu überarbeiten. Ihm gelängen „zauberhafte Momente“, problematisch sei aber „etwas leicht Machohaftes“. Das sah auch Felicitas von Lovenberg so. Was ihr vollständig fehle, sei ein „Zweifel am Ich“. Als zweifelnder Mensch könne man sich nicht einfühlen. Doch schmälere das die Freude an den „sehr lustigen“ Momenten nicht.

Im Weiteren stellte von Lovenberg dann Ted Hughes’ 1998 in Übersetzung bei Suhrkamp veröffentlichten Band „Der Tiger tötet nicht“ vor. Hier, wie auch bei der sich anschließenden Diskussion der jüngst bei Hanser erschienenen Gesamtausgabe von Emily Dickinson, überbot sich das Quartett im Lob. Hughes sei „einer der besten Lyriker des letzten Jahrhunderts“ (von Lovenberg), „Weltpoesie“ (Detering). Und in der Folge hieß es: „Vielleicht kommt über Hughes nur Dickinson“ (von Lovenberg). Zwangsweise kritischer ging es beim Blick auf die deutschen Übersetzungen zu. Das sowie das gesamte Gespräch können Sie wie immer hier in Gänze nachhören:

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